Tätigkeitsbericht 2010
Bereich Integration
I. Zum Thema "Integration" wurden zwei Fortbildungen, eine auf Bundes- und eine auf Landesebene, konzipiert und durchgeführt.
"Immigration als Chance" unter diesem Motto führte das Institut für Elternbildung und interkulturelle Mediation eine bundesweite Fortbildung für die Sozialarbeiter der Jüdischen Gemeinden in Deutschland mit dem Ziel, diese in ihrer Arbeit mit älteren Migranten zu stärken.
"Interkulturelle Elternarbeit an EIBE-Schulen" war das Thema der Lehrerfortbildung, die im Auftrag des Hessischen Kultusministeriums durchgeführt wurde. Im Vortrag und anschließendem Workshop wurden die Folgen für die Gesellschaft und die Aufgaben der Lehrer die aus der Tatsache entstehen , dass in Deutschland ein Fünftel der Bevölkerung einen Migrationshintergrund hat, vorgestellt und ausgearbeitet.
II. Für Erzieher und Eltern einer Einrichtung mit 82% Kindern mit Migrationshintergrund wurde das Projekt "Gemeinsame Sprache finden!", mit dem Ziel, bessere Kommunikation unter Erwachsenen zu schaffen, konzipiert und durchgeführt. Das Projekt bestand aus drei Teilen, die mit einem Intervall von ca. einem Monat aufeinander aufbauten.
Erster Teil: Seminar für Erzieher - "Kulturelle Hintergründe bei Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion".
Teil zwei: Seminar für Eltern - "Kindergarten in Deutschland: was kann ich von ihm erwarten?"
Teil drei: Ein moderierter Abend für Eltern und Erzieher - "Gemeinsame Sprache finden!". An diesem Abend wurden von beiden Seiten noch offengebliebene Fragen in kleinen gemischten (Erzieher und Eltern) Gruppen diskutiert.
III. Im Auftrag der Stadt Wetzlar hat das Institut in Anlehnung an den Elternkurs "Starke Eltern - Starke Kinder" ein Konzept für multikulturelle Elterngruppen entwickelt, "Wir sind anders - Wir sind gleich!" mit dem Schwerpunkt der Auseinandersetzung mit "mitgebrachten" Werten und Erziehungszielen aus der Heimat und Werten und Erziehungszielen des modernen Deutschland. Drei dieser neuen Kurse wurden mit Erfolg durchgeführt.
Fazit
Die intensive Arbeit mit verschiedenen Einrichtungen im Bereich der Integration in 2010 lies uns folgende Schlüsse ziehen:
- es ist der Gesellschaft bewusst geworden, dass eine Bevölkerungsgruppe, die ein Fünftel der Gesamtbevölkerung ausmacht, Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft hat; welche Auswirkungen es genau sind - damit beschäftigt sich Deutschland heute
- die Bevölkerungsentwicklung Deutschlands (niedrige Geburtenraten, Veralterung der Gesellschaft, Mangel an qualifizierten Arbeitskräften usw.) zwingt die deutsche Gesellschaft, die Migranten zu integrieren und sich mit der Tatsache der fehlenden Integrationspolitik und den dadurch entstandenen Problemen (Parallelgesellschaften, Gettos usw.) zu beschäftigen
- die tiefgreifenden Folgen der fehlenden Migrationspolitik sind der aufnehmenden Gesellschaft bewusst geworden
- das Fehlen der guten Ergebnisse des "Nationalen Integrationsplanes" (März 2007 eingeführt) zeigt, dass die Methoden, die bei "Deutschen" Erfolge versprechen, Migranten kaum erreichen.
Durch oben genannte Prozesse und Ereignisse herrscht im heutigen Deutschland Ratlosigkeit und Unsicherheit im Bezug auf den Umgang mit Migranten. Dies mussten wir in der Zusammenarbeit mit Institutionen, Lehrern und Erziehern feststellen.
Pläne für 2011
Aus unserer Sicht sind die Migranten vor Ort gefragt, der sie aufnehmenden Gesellschaft zu helfen, eine fähige Integrationspolitik zu konzipieren und voran zu treiben, weil sie sich mit dem Problem seit langer Zeit beschäftigen. Fehlende Strukturen, falsches Verhalten und Vorgehensweisen der aufnehmenden Gesellschaft sind ihnen bekannt und muss im Dialog mit der aufnehmenden Gesellschaft aufgehoben werden.
Interesse an gelungener Integration haben alle (beide Seiten).Diese Erkenntnis ist absolut neu für die deutsche Gesellschaft.
Das Institut ist ein Unternehmen, das von einer Migrantin gegründet worden ist, die 18-jährige Erfahrung in Sachen "Brückenbau" zwischen Migranten und Einheimischen hat.
Daraus resultieren die Pläne des Instituts für das Jahr 2011:
- Bekanntmachen der eigenen Konzepte und Erfahrungen im Bereich Integration durch Vorträge und Publikationen in der lokalen Presse.
- Teilnahme an verschiedenen Gremien zum Thema Integration.
- Konzipierung und Durchführung von Projekten zum Thema Integration.
- "Mitmischen" auf Bundesebene in Sachen Integration.
Bereich Elternbildung
Vorträge
Im Jahre 2010 wurden 24 Vorträge gehalten.
Elf Mal wurde ein Vortrag zum Thema "Elternkurs: wofür brauche ich ihn?", jeweils drei Mal zu den Themen "Worauf kommt es an in der Erziehung?", "Kulturelle Hintergründe bei den Menschen aus ehemaligen Sowjetunion", "Grenzen setzen, aber wie?" und einmalig zu: "Interkulturelle Elternarbeit an den Schulen", "Kindergarten in Deutschland: was kann ich von ihm erwarten?" und "Emigration als Chance" gehalten.
In den meisten Fällen wurde der Vortrag "Elternkurs - wofür brauche ich ihn?" von der jeweiligen Kita-Leitung initiiert. Der Vortrag gab den Eltern ausführliche Informationen über den "Starke Eltern - Starke Kinder"-Kurs. Die Erfolge der anderen Eltern und eine genaue Vorstellung, was sie im Kurs erwartet, haben die Zuhörer zur eigenen Teilnahme motiviert. So entstand fast nach jedem Vortrag ein neuer Elternkurs.
Die Themen "Worauf kommt es an in der Erziehung?", und "Grenzen setzen, aber wie?" wurden von den Eltern gewünscht.
Thema "Kulturelle Hintergründe bei den Menschen aus ehemaligen Sowjetunion" - von den Einrichtungen, wo viele Kinder mit einem Migrationshintergrund sind.
Das Thema "Interkulturelle Elternarbeit an den Schulen" wurde von dem Hessischen Kultusministerium gewünscht, das Thema "Kindergarten in Deutschland" wurde vom Kita-Team im Rahmen des Projektes "Gemeinsame Sprache finden!", als Gegenpol zum Thema "Kulturelle Hintergründe…" vorgeschlagen. Für Multiplikatoren bundesweit, die mit älteren Migranten arbeiten, wurde der Vortrag und der Workshop "Integration als Chance" vorbereitet.
Pläne für 2011
Aktiver den Kontakt zu Schulen suchen, um durch Vorträge die Bereitschaft der Eltern, sich durch einen Elterkurs in Sachen Erziehung zu stärken.
Kurse
An 18 Elternkursen haben insgesamt 196 Eltern teilgenommen (158 haben die Kurse abgeschlossen).Von 18 Kursen fanden 15 im LDK statt, davon sechs im Wetzlarer Raum, zwei Kurse fanden in Frankfurt und ein Kurs in Hanau statt.
Drei russischsprachige Kurse wurden von Vereinen von Migranten initiiert und mit der Unterstützung einheimischer Organisationen durchgeführt. Von 15 deutschsprachigen Kursen kamen elf durch das Engagement der Kita-Teams, zwei durch die Initiative der Eltern, einer durch evangelische und einer durch katholische Gemeinden zu Stande.
Die Kurse, die von den Kitas initiiert waren, haben in den Räumlichkeiten dieser stattgefunden, was bei den Eltern positiv angenommen wurde: die Verbindung zur Kita war stets präsent.
Themen der Kurse
Von 18 Kursen waren 14 "Starke Eltern-Starke Kinder"-Kurse des DKSB.
Auf den Grundlagen des Elternkurses "Starke Eltern - Starke Kinder" wurden vom Institut für Elternbildung und interkulturelle Mediation zwei neue Konzepte ausgearbeitet. Dadurch entstanden zwei neue Kurse: "Wir sind anders - Wir sind gleich!" - für multikulturelle Elterngruppen und "Starke Eltern von starken Kinder" - für Migranten-Eltern, die erwachsene Kinder haben.
Fazit
In Abschlussgesprächen mit den Organisatoren der Kurse wurde von den Eltern stets betont, dass
- sie sicherer in Sachen Erziehung geworden sind
- die familiäre Atmosphäre sich deutlich gebessert hat
- die gegenseitige Verständigung zwischen allen Familienmitglieder klarer (intensiver) wurde
Wenn die Kurse in eigenen Einrichtungen stattfanden, wurde die Beziehung der Eltern zu der Einrichtung und untereinander viel stärker. In manchen Kitas wurden nach den Kursen Elternstammtische gegründet.
Die ersten drei Kurse "Wir sind anders - wir sind gleich", die in Wetzlar stattgefunden haben, regten einen intensiven Austausch bei Eltern aus verschiedenen Kulturkreisen an. Im Flüchtlingsverband in Frankfurt wurde der Kurs "Starke Eltern von starken Kindern" mit großer Dankbarkeit von älteren Migranten aufgenommen.
Alle Eltern waren sehr zufrieden mit den Kursen und Ergebnissen der eigenen Arbeit.
Die Erfahrung der Kursleitung zeigte, dass Eltern von Schulkindern viel unsicherer als Eltern von Kindergartenkindern sind und unter dem starken Druck der Schule leiden.
Pläne für das Jahr 2011
- Die Zusammenarbeit mit den Kitas soll weiter betrieben werden.
- Die Arbeit mit Grund- und weiterführenden Schulen muss intensiviert werden, um die Eltern der Schulkinder zu stärken.
- Die Arbeit des Instituts muss bekannter werden.
- Den Kurs "Pubertät" intensiver zu propagieren.
- Den Kurs "Geschwisterliebe" konzipieren und durchführen.



