Elternkurs als Mittel der Integration

Elternkurs "Starke Eltern - Starke Kinder"® als Mittel der Integration.

Dadurch, dass das Thema Integration in der letzten Zeit auch von der Bundesregierung aufgegriffen und viele Integrationsmaßnahmen für Migranten verpflichtend wurden, entsteht der Eindruck, dass der Staat stärker an der Integration interessiert ist, als die Migranten selbst. In Wirklichkeit trifft dies nicht zu. Beide Seiten würden in gleichem Masse von einer erfolgreichen Integration profitieren. Nur hat der Staat das bereits erkannt, viele Migranten jedoch noch nicht. Integration aber kann man nicht erzwingen. Sie kann nur auf freiwilliger Basis passieren.

In der Soziologie bedeutet der Begriff Integration den Prozess der Ausbildung einer Wertegemeinsamkeit von Gruppierungen, die zunächst andere Wertehaltungen vertreten.

Der Gesetzgeber gibt die Rahmenbedingung für die Integration vor.

Auf eine erfolgreiche kulturelle und soziale Integration kommt es an, damit sich die Einwanderer mit der Aufnahmegesellschaft identifizieren können.

Sowohl auf die kulturelle als auch auf die soziale Integration hat der Staat keinen direkten Einfluss.

Weiter folgende Beobachtungen beziehen sich auf die Integration von Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion in die deutsche Gesellschaft.

Damit Wertegemeinsamkeiten entstehen können, müssen die Migranten einerseits klare Vorstellungen von den Werten, Normen, Denk- und Verhaltensmuster der deutschen Gesellschaft haben, sich anderseits bewusst werden über eigene Werte, Normen, Denk- und Verhaltensmuster. Mit anderen Worten: die Einwanderer müssen die deutsche Mentalität begreifen und sich ihrer eigenen Mentalität bewusst werden.

Wo im Alltag gibt es die Möglichkeit dafür?

Dabei gilt es zu bedenken, dass man sich etwas Fremdes nur dann aneignet, wenn man es versteht und wenn man einen Nutzen für sich daraus zieht.

Einige Migranten-Eltern stehen jedoch aus Angst ihre Kinder an diese neue fremde Gesellschaft zu verlieren, der deutschen Gesellschaft sehr kritisch gegenüber. So wird die Integration der Kinder, die eigentlich harmonisch verlaufen könnte, durch ihre innere Zerrissenheit zwischen russischem Zuhause und deutschem Umfeld erschwert.

So kann eine unbefriedigende Integration der Eltern einen großen negativen Einfluss auf die Integration der Kinder haben.

Elternkurse als Mittel der Integration.

Im Alltag gibt es keine Mittel, die einerseits die Möglichkeit bieten sich mit eigenen Werten auseinander zu setzen, andererseits die Mentalitätsbesonderheiten der deutschen Mentalität von Innen zeigen.

Genau diese Möglichkeit bietet der Elternkurs des Deutschen Kinderschutzbundes "Starke Eltern - Starke Kinder"®.

  1. 1. Der Kurs wird freiwillig von Migranten-Eltern aufgesucht. Dieses Kriterium ist wichtig, denn das bedeutet, dass die Eltern ein persönliches Bedürfnis haben diesen Kurs zu besuchen und innerlich motiviert sind. Am Anfang des Kurses beschäftigen sich die Eltern mit der eigenen Geschichte: wie sie selbst erzogen worden sind, welche Werte ihre Eltern ihnen vermittelt haben, was davon sie jetzt als Erwachsene weiter an ihre Kinder geben möchten und wie das am Besten zu machen ist. Eine bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte ist wichtig für die Erziehung der eigenen Kinder, sie ist aber auch unverzichtbar für eine erfolgreiche Integration in die neue Gesellschaft. Es zeigt sich, dass viele Eltern sich zum ersten Mal im Leben solche Fragen stellen.
  2. 2. Konzipiert für moderne deutsche Eltern vertritt der Kurs Ansichten der modernen westlichen Pädagogik und Psychologie, für die ein Mensch, ob es ein Kind oder Erwachsener ist, im Mittelpunkt steht. Im Vergleich zu Russland: hier steht der Staat mit seinen Interessen im Mittelpunkt. Durch kurze theoretische Einheiten, aber vor allem durch verschiedene Spiele und Übungen erfahren die Eltern auf emotionaler Ebene Werte und Normen der deutschen Gesellschaft. Hinzukommt, dass die Kursleitung den Teilnehmern diese Werte im respektvollen und wohlwollenden Umgang im Miteinander vorlebt. Dies wird durch Fragen wie: "Warum kommen Sie so gerne zum Kurs, was gefällt Ihnen hier?" thematisiert. Eine bewusste und emotional intensive Auseinandersetzung mit deutschen Werten und Normen befähigt die Eltern dazu sich das Lebensbejahende anzueignen. Aus meiner Sicht, ist das ein Meilenstein auf dem Weg zur Integration.
  3. 3. Wichtig ist, dass die Integration auf Grund dieses Kurses differenziert geschieht. Das heißt, dass jeder Teilnehmer die Möglichkeit hat sich das anzueignen, was ihm persönlich fehlt, oder was er in seiner momentanen Entwicklungsphase gut gebrauchen kann.
  4. 4. Der Kurs hebt das Problem der Zerrissenheit der Migranten-Kinder auf. Durch Verstehen und Schätzen der deutschen Werte legt sich die unkritische, aggressive Verneinung des deutschen Lebensstils. Der Blick wird differenzierter: die Migranten-Eltern können die Stärken und Schwächen der deutschen Gesellschaft besser sehen, und dies ihren Kindern vermitteln.
  5. 5. Die Erfolgserlebnisse stellen sich relativ schnell ein (im Vergleich zu einem Sprachkurs oder tiefer Freundschaft mit Einheimischen). Da die Eltern hoch motiviert sind, eigenes Verhalten reflektierend zu hinterfragen und sich auf die positiven Seiten ihrer Kinder konzentrieren, verbessert sich die familiäre Atmosphäre.

Aufgrund der positiven Wirkung auf das sowohl familiäre, als auch gesellschaftliche Miteinander ist es wichtig die Teilnahme an dem Elternkurs so leicht wie möglich zu gestalten. Das heißt: breitere Werbung für die Kurse und finanzielle Unterstützung für die Teilnehmer.

Es heißt jedoch nicht, dass eine Unterstützung nur für Migranten-Eltern wichtig ist. Vielmehr sollte eine Möglichkeit geschaffen werden, dass alle Eltern in Deutschland diese Kurse kostenlos besuchen können. So wie es zur Zeit mit den Geburtsvorbereitungskursen für werdende Eltern gehandhabt wird.

 

Marina Schapiro

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