Vortrag Interkulturelle Elternarbeit

Interkulturelle Elternarbeit

Jahrestagung des Hessischen Kultusministeriums Niedernhausen, 1.November 2010

Begrüßung

  1. Ich freue mich und sehe es als große Ehre hier vor EIBE-Lehrer ein Vortrag halten zu dürfen. Ich finde, dass EIBE-Projekt und die Lehrer, die in dem Projekt arbeiten, die schwierigste Aufgabe der hessischen Schulsystem übernommen und tragen. Ich muss Ihnen nicht erzählen, dass die härteste und hofnungslosiste Fälle bei Ihnen landen. Alles, wo die Schule als Bildungssystem versagt hat, übernehmen Sie. Innerhalb von einem höchstens zwei Jahren müssen Sie versuchen das, was seit 8-10 Jahre schief lief, wieder in die geregelte Bahn zu bringen.
  2. Man muss große Ideale haben, um sich an diese Arbeit zu trauen; Ausdauer, Geduld und Zuversicht, um in diesem Berufsfeld zu bleiben. Deswegen mein großer Respekt. In Rahmen meiner Vortragvorbereitungen habe ich 2 EIBE-Schulen besucht. Ich war von diesem strengen, aber wohlwollenden Blick auf jeden Schüler und Schülerin sehr angetan.
  3. Zu mir: Ich bin Lehrerin für Russische Sprache und Literatur, habe einige Jahre in einer Moskauer Schule gearbeitet bevor meine Familie und ich vor 19 Jahre nach Deutschland ausgewandert sind. Vor 3 Jahre habe ein Unternehmen gegründet Institut für Elternbildung und interkulturelle Mediation Wie der Name schon sagt, habe ich 2 Schwerpunkte
    • Elternbildung allgemein: E-Kurse, E-Seminare, Vorträge zur erzieherischen Themen für verschiedene Elterngruppen: deutsche, gemischte, russische, türkische.
    • zweiten Schwerpunkt meiner Arbeit, der zurzeit mehr und mehr Nachfrage bekommt, bezeichne ich als Vermittlungsarbeit zwischen staatlichen Einrichtungen wie Kitas, Schulen, Jugendämter und Migranten Familien.
    Vor einem Jahr habe ich mit meinem Unternehmen Hessische Gründerpreis bekommen.
  4. Meinen Vortrag sehe ich als theoretische Grundlage für die praktische Arbeit, die die Interessenten mit mir im Workshop fortsetzen.
  5. Aufbau des Vortrags

Integration - Definition des Begriffes Was bedeutet Integration für Menschen mit Migrationshintergrund Was bedeutet Integration für Aufnehmende Gesellschaft Prozess der interkulturellen Sensibilisierung Etappen der Integration Interkulturelle Elternarbeit als Mittel der Integration Grundprinzipien der Interkulturellen Elternarbeit

Abkürzungen:

Menschen mit Migrationshintergrund = MMM Interkulturelle Elternarbeit = IKEA Interkulturelle Arbeit = IKA

Einführung

Es ist schon ein Zeichen der Zeit, a) dass das Thema "IKEA" Thema der Tagung ist. b) dass zu dem Thema "IKEA" ein Mensch mit Migrationshintergrund als Referentin eingeladen ist. Wie Frau Merkel das treffend formuliert hat: "Nicht über Migranten reden, sondern mit ihnen!"

1.Was bedeutet eigentlich der Begriff

Thema Integration ist zurzeit in allen Munden. Was bedeutet eigentlich der Begriff Integration?

In der Soziologie bedeutet der Begriff Integration die Ausbildung einer Wertegemeinsamkeit von Gruppierungen, die zunächst andere Wertehaltungen vertreten.

Wir werden heute uns mit den Migranten (MMM) und der Aufnehmenden Gesellschaft in Deutschland befassen.

Das heißt, dass die Integration in diesem Falle bedeutet: die Ausbildung einer Wertegemeinsamkeit von MMM und deutscher Gesellschaft.

Wenn man diese Definition liest, fällt es sofort auf, dass, um Wertegemeinsamkeiten ausbilden zu können,

  • beide Gruppen die Werte den Anderen gut kennen müssen
  • Integration ein gegenseitiger Prozess ist
Dies bedarf einer gegenseitigen Öffnung, da die Werte jeder Kultur in Verborgenheit liegen, wie der unsichtbare Teil des Eisbergs.

 

2. Integration auf der Seite der MMM

Damit Wertegemeinsamkeiten entstehen können, müssen die Migranten einerseits klare Vorstellungen von den Werten der deutschen Gesellschaft haben, sich anderseits bewusst werden über eigene Werte.

Dabei gilt es zu bedenken, dass man sich etwas Fremdes nur dann aneignet, wenn man es versteht und wenn man einen Nutzen für sich daraus zieht.

2 Beispiele

Im Foyer haben Sie Tee getrunken. Hat er Ihnen geschmeckt?

Geschichte

Vor vielen Jahren, als es in Russland nur schwarzen Tee gab, wanderte eine Familie nach Deutschland aus. Hier hat die Familie einen Früchtetee für sich entdeckt und in ihr Alltag integriert. Morgen gab es bei ihnen Schwarzen Tee um wach zu werden, abends - Früchtetee um sich wohl zu fühlen. Eines Tages überlegte die Ehefrau: "Was wird, wenn ich schwarzen Tee mit dem Früchtetee mische?" Sie probierte und es schmeckte ihr sehr gut. Seit dem gibt es in der Familie eigene Tee Spezialität. Wenn Gäste zu Besuch sind und zum ersten Mal Tee bei der Familie trinken, jedes Mal fragen sie "Was ist das für den Tee? Der schmeckt so gut." Als sie dann hören, dass das eine Mischung aus Früchte- und Schwarzem Tee ist, fragen Sie: "Darf man so mischen?"

Diese kleine Geschichte ist für mich nicht nur ein Beispiel der Integration:

  • man kannte eigenes gut;
  • hat hier neues nützliches für sich entdeckt und
  • integrierte es dann in eigenes Leben.

 

Außerdem ist diese Geschichte ein gutes Beispiel dafür, dass Integration etwas Neues entstehen lässt und dadurch das Leben beider Gruppen bereichert.

Ich möchte Ihnen noch eine, ernsthaftere Geschichte erzählen.

Eine Psychologin aus Großstadt in Kasachstan arbeitete 10 Jahre an der Entwicklung der Förderprogramme für Kitas für ganze Sowjetunion bevor sie mit ihre Familie nach Deutschland umsiedelte. Sie liesen sich in einem kleinem Dorf nieder. Die Frau bekam eine Stelle als Erzieherin in dörflichen Kindergarten. Alles, was sie beruflich machte, hatte sie mit dem "bei uns" (in Kasachstan) verglichen: alles war hier fremd und schlechter, als in Kasachstan. Nach 2 Jahre wurde sie fast krank. Dann hat sie sich gesagt: "Ich höre mit vergleichen auf. Ich vergesse meine akademische Ausbildung und versuche zu verstehen, warum hier im Kita wird so gemacht wird, wie sie es machen. Sie müssen doch ihre Gründe haben. Die Frau fing an genau zu beobachten, zu hinterfragen. Frühe hat sie auch gefragt, aber damals fragte sie um festzustellen, dass Kita sowieso falsch machte. Jetzt fragte sie interessiert und neugierig.

Nach einiger Zeit hat sie begriffen, welche Werte und Einstellungen die Arbeit in dieser Kita leiteten. Ein von diesen Werten war ihr bis dahin absolut unbekannt und faszinierte sie sehr. Die emotionale Entwicklung des Kindes spielte wesentliche Rolle in der Arbeit des Kitas. In Kasachstan wurde diese nie berücksichtigt. Sie fühlte sich bereichert.

Vor 5 Jahre bekam Kita ein Bildungsplan, nach dem alle arbeiten müssten. Leider standen in diesem Plan nur Anforderungen. Wie sie ausgeführt werden sollen, wusste keiner.

Da alle Kitas in ehemaliger Sowjetunion immer Bildungseinrichtungen waren, konnte unsere Erzieherin ihr Wissen über die Methoden sehr gut einbringen. Selbstverständlich, unter Berücksichtigung der emotionaler Entwicklung des Kindes.

Dieses Beispiel zeigt die wichtigste Etappe der interkulturelle Sensibilisierug und als "Endstation" - Integration:

  • ganz am Anfang sind die Unterschiede zwischen "eigenem" und "fremdem" nicht bewusst. (Die Arbeit in der Kita kannte die Frau von Kasachstan)
  • Wenn sie wahrgenommen werden, scheint "eigene" besser und überlegener als "fremde".
  • Es bedarf sich bewusst zu öffnen,
    a) um das Fremde zu verstehen und b) dem "Fremdem" durch die Fragen eine Chance zu geben sich zu erklären
  • danach setzt sich die bewusste Auseinandersetzung mit den Werten der aufnehmenden Gesellschaft. Mit diesem Prozess fängt die Integration an: der Migrant selektiert: vergleicht eigene Werte mit den Werten der neuer Heimat, übernimmt die, die ihn als Individuum überzeugen. (In unserem Fall - emotionale Entwicklung des Kindes).
  • Als Ergebnis: Vereinigung des Besten aus eigener Kultur mit dem Besten aus der neuen Kultur.

Die Integration (in diesem Bereich) ist voll gezogen.

3. Was bedeutet es für Aufnehmende Gesellschaft

Nicht nur Migranten erleben durch Migration die Persönlichkeitsveränderung. Auch die einheimische Bevölkerung eines Landes, in dem viele Ausländer leben wird interkulturell sensibler.

Interessant, dass die Bevölkerung der aufnehmenden Gesellschaft die gleichen Fasen der interkulturellen Sensibilisierung wie die Migranten durchlebt.

Unterschied: die meisten Migranten waren sich bewusst, dass sie mit der Auswanderung eine neue Kultur erwartet. Die Aufnehmende Gesellschaft ist oft dazu nicht vorbereitet.

Milton J. Bennett hat ein Modell der interkulturellen Sensibilität entwickelt.

Der Prozess interkulturellen Lernens führt von einer ethnozentrischen Grundhaltung zu einer kultursensiblen, ethnorelativistischen Einstellung, von der Leugnung und Bekämpfung zur Akzeptanz und Integration kultureller Unterschiede.

4. Prozess der interkulturellen Sensibilisierung

Ethnozentrismus

In den ethnozentrischen Stadien ist der Einzelne überzeugt, dass seine Weltsicht im Wesentlichen der Realität entspricht ("kulturelle Brille").

  • Leugnung
    Die Leugnung ist die Grundlage seiner ethnozentrischen Weltsicht. Das Individuum nimmt kulturelle Unterschiede kaum bewusst wahr oder leugnet sie. (Unsere Erzieherin vor der Aufnahme der Arbeit in der Kita, erste Zeit in der Kita)
  • Verteidigung
    Kulturelle Unterschiede werden als schmerzliche Differenz zwischen eigenen Erwartungen und der erlebten Realität wahrgenommen, negativ oder bedrohlich eingestuft. Das Eigene (Identität) wird nicht in Frage gestellt.
    Eine natürliche Reaktion darauf ist das Fremde und Bedrohliche zu bekämpfen. Das eigene Wertesystem wird verteidigt und als überlegen wahrgenommen.
  • Minimierung
    ist die letzte Stufe des Ethnozentrismus.

Die Bedeutung der kulturellen Unterschiede wird nicht mehr geleugnet, jedoch heruntergespielt und banalisiert, und somit nicht mehr ernstgenommen. Kulturelle Ähnlichkeiten werden hervorgehoben und es wird eine Welt gemeinsamer Grundlagen und Wertvorstellungen angestrebt. Diese Gemeinsamkeiten beruhen jedoch auf einem physischen Universalismus, der sich auf die grundlegenden biologischen Ähnlichkeiten zwischen den Menschen beruft. Wir müssen schliesslich alle essen, verdauen und sterben.

Beim Übergang von der ethnozentrischen zur ethnorelativen Phase entwickelt sich interkulturelle Kompetenz.

Ethnorelativismus

In den Stadien des Ethnorelativismus, begreift Individuum, "dass Kulturen nur innerhalb eines kulturellen Kontexts verstanden werden können" und Unterschiede nicht mehr als Bedrohung, sondern als Herausforderung und Bereicherung verstanden werden".

Das Ziel ist, bewusster reflexiver und offener Umgang mit Eigenem und Fremdem. Gleichzeitig ist es wichtig zu wissen. dass festgestellte Unterschiede keineswegs unveränderbare Gebilde sind, sondern einem dynamischen Wandel unterstehen.

  • Akzeptanz
    Ethnorelativismus beginnt mit der Akzeptanz des kulturellen Unterschieds. Unterschiedliche verbale, nonverbale Verhaltensweisen und Kommunikationsstile, Werte und Weltbilder werden akzeptiert. So wird die Tatsache angenommen, dass Abweichungen von der eigenen Vorstellung zum Alltag gehören und nicht alle negativ sind.
  • Anpassung
    Anpassung ist das nächste Stadium. Neue Verhaltensweisen und Kommunikationsstile erlernt und dem eigenen Repertoire hinzugefügt werden. Bei diesem fliessenden Prozess besitzt die Empathie eine besondere Bedeutung im Bestreben, den Anderen zu verstehen und sich in seine Realität einzufühlen.
  • Integration
    Der Einzelne ist fähig, mit kulturellen Unterschieden kritisch, vorurteilslos und konstruktiv umzugehen. Eine sehr differenzierte Wahrnehmung und die kontextuelle Bewertung führen dazu, dass kulturelle Unterschiedlichkeiten als Teil des eigenen Selbst verstanden werden.

Wie schwierig dieser Prozess für aufnehmende Gesellschaft ist zeigt ein Beispiel aus der Praxis.

Kita

Ein Kita in Hessen kam auf mich zu mit einem Problem: sie haben 82% Migrantenkinder von 12 Nationalitäten in der Einrichtung. Sie kommen mit deren Eltern nicht zu Recht, besonders Aussidlerelten sind schwierig. Sie haben alles probiert,- es klappt nichts. Die Konfrontation zwischen Kitateam und Elternschaft eskalierte sich so, dass viele Eltern ihre Kinder in einen anderen Kindergarten gaben.

Vorwurfe des Teams:
Eltern schätzen ihre Arbeit nicht und meckern nur. Sie ziehen ihre Kinder zu warm und verlangen, dass die Erzieherinnen dies auch tun.

Vorwurfe der Eltern: Kinder werden nicht gefördert (malen, basteln). Erzieherinnen kümmern sich nicht um die Kinder (lassen Kinder ohne Mütze draußen spielen, schauen nicht, ob das Kind gefrühstückt hat).

Es wurde eine Vorgehensweise ausgearbeitet, die als Ziel Verständigung hatte.

  • Kitateam beteiligt sich an einem Workshop zum Thema "Kulturelle Hintergründe der Menschen aus ehemaligen Sowjetunion"
  • Für Eltern wurde ein Elternabend zum Thema "Deutscher Kindergarten: seine Aufgaben und Ziele"
  • Ein moderierter Abend an dem offen verbliebene Fragen gemeinsam geklärt werden sollen

Bei der Aufklärung des Konfliktes haben beide Seiten wichtige unbekannte Informationen über einander erfahren, konnten einander verstehen und eine Lösung finden, die für Eltern, Kitateam und die Entwicklung der Einrichtung zu gute kam.

Hauptteil

IKEA als Mittel der Integration

Geschichtliche Rahmen

  1. Seit 1976 leben Migranten fest in der BRD.
  2. Bis 2005 Integration ist die Aufgabe der Migranten
  3. Ab November 2005 hat sich die Situation geändert.

 

Neue Regierung: "Integration ist Aufgabe des Bundes"

Zum ersten Mal wurde Integration als Aufgabe des Staates im Gesetz verankert.

Ich habe schon erwähnt, dass Begriff Integration gegenseitiger Bewegung auf einander zu bedeutet. Leider bis 2005 wurde es nie so gesehen.

Ich sehe die IKEA als Mittel der Integration

Neue historische Situation, neue Ansetze in der Kommunikation mit den Migranten, machen IKEA ist ideale Basis für Integration in Sinne der Begegnung unterschiedlicher Kulturen.

Bis jetzt in der IKEA gab es 2 Richtungen:

  • die MMM wurden als Probleme habende oder Probleme machende gesehen. Ziel der IKA war die Defizite zu beheben und damit einem abwertenden "Entwicklungshilfe-Denken" Beigeschmach gehabt: "Wir, der ziviliziertere Teil der Welt, müssen dem Rest der Welt helfen, sich dorthin zu entwickeln, wo wir schon sind"
  • interkulturelle Pädagogik in Mittelpunkt der MP steht die Begegnung mit den MMM als Träger einer nationalen oder ethnischen Kultur (die Türken, die Russen). Missverständnisse in der Kommunikation werden durch kulturelle Unterschiede erklärt. Menschen werden auf ihr Herkunftsland reduziert.

Moderne Kulturologie geht davon aus, dass in der Zeiten der Internets, Ferhseher, Mobilitäts und Globalisierung jeden Menschen mehrere Kulturen und Subkulturen prägen.

So ist es zu erwarten, dass kultureller Unterschied zwischen einem Bewohner Tel-Avis und Beduinen aus der Israelische Wüste größer ist, als zwischen ihm und Bewohner Berlins. Oder einen Junger Rockfan aus China mehr verbindet mit dem Gleichgesinntem aus Polen, als mit seinem 60-Jährigem Nachbar.

Dies wird Transkulturalität genannt.

In moderne IKA und in der IKEA gewinnt mehr transkulturelle Ansatz, der besagt, dass Menschen nicht mehr als Träger nur einer Kultur sind.

Die Erfolgreiche IKEA braucht eine bestimmte Haltung den Migranten-Eltern gegenüber. Dieser Haltung liegen Empathie, Respekt, Wertschätzung, Kommunikation auf gleicher Augenhöhe zu Grunde.

Die Eltern werden als deutende und handelnde Subjekte wahrgenommen, die selbstbewusst mit ihre Lebenssituation umgehen.

Auf Grund von dieser Haltung wurden Grundprinzipien der IKEA entwickelt.

Unter "wir" wird eine schulische oder pädagogische Einrichtung gemeint:

Grundprinzipien der IKEA

(Nach M.Altan, A.Foitzik, J.Goltz "Eine Frage der Haltung")

  1. Repräsentation der Vielfalt als Einladung zur Partizipation
    Wir signalisieren den Familien mit Migrationshintergrund ihr seid keine Gäste, es ist eure Einrichtung (Schule). Solche Öffnung ist auf bewusste symbolische Zeichen angewiesen.
  2. Frühe Kontaktaufnahme und Beziehungsangebote.
    Wir nehmen den Kontakt zu Eltern auf, bevor es Konflikte gibt, und bemühen uns um einen kontinuierlichen "normalen" Kontakt.
  3. Die Eltern sind Experten ihrer Situation.
    Wir gehen davon aus, dass Eltern für ihren Jugendlichen das Beste wollen und daran interessiert sind ihn/sie zu unterstützen. Diese wertschätzende Haltung ist die Grundlage der Zusammenarbeit. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass Eltern die Möglichkeiten und Grenzen dieser Gesellschaft kennen und sich in ihr orientieren können. Nur so können sie gute Entscheidungen treffen. Diese Entscheidungen akzeptieren wir.
  4. Die Botschaft ist "Wir brauchen euch!"
    Zentrales Anliegen der Elternarbeit ist es die Kompetenzen und Ressourcen der Eltern einzubeziehen. Mit einer ressourcenorientierten Elternarbeit unterstützen wir die Kompetenzen der Eltern die eigene Ziele zu vertreten und sie zu verfolgen. Der Blick auf die Ressourcen ermöglicht uns ersten Kontakt auf gleicher Augenhöhe.
  5. Schlüsselpersonen sind wichtig!
    Wir bemühen uns um Schlüsselpersonen - diese können andere Migranteneltern sein, aktive Nachbarn, Vertreter aus den Vereinen. Die Schlüsselpersonen werden aktiv in die Gestaltung der Kontaktaufnahme und/oder der Durchführung von Angeboten eingebunden. Dabei achten wir auf Kooperation auf Augenhöhe.
  6. Verständigung organisieren
    Nicht die mangelnden Deutschkenntnisse der Eltern sind das Problem, sondern die Tatsache, dass die Mitarbeiter der Einrichtung und die Eltern nicht auf die gleiche Sprache zurückgreifen können. Nicht einer ist oder macht ein Problem, beide haben ein Problem
  7. Familiensprachen anerkennen
    Wir sehen die muttersprachliche Kompetenzen der Eltern als Ressource und nicht als Störung. Wir konfrontieren die Eltern nicht ständig mit der Erwartung, sie sollten zuallererst Deutsch lernen. Das Lernen der Sprache des Aufnahmelandes ist in vielen Fällen eher Ergebnis und nicht Bedingung von Integration. Wir wissen, dass die Kommunikation in der Zweitsprache für viele Eltern mit einer Verunsicherung verbunden ist.
  8. Die eigenen Konzepte sind nicht normal!
    Elternarbeit muss für die Jugendlichen transparent sein, unsere Arbeit mit den Jugendlichen aber auch für die Eltern. Wir müssen uns Mühe machen, unsere pädagogischen Strukturen und Konzepte vor allem in potenziellen "kulturellen" Konfliktfeldern transparent zu machen, begründen und vermitteln zu können.
  9. Elterlichen Sorgen ernst nehmen
    Wir anerkennen fürsorglichen Motive den Eltern, auch wenn wir die daraus resultierende restriktiven Haltungen und Einschränkungen nicht teilen.
  10. Elternarbeit braucht Zeit.
    Die hier beschriebene Form der Elternarbeit ist zeitaufwendig. Erfolge stellen sich nicht immer unmittelbar ein. Vertrauensaufbau braucht Ausdauer und Geduld.

Abschluss

In meinem Vortrag habe ich

  • Integration als gegenseitiger Bewegung auf einander zu und Etappe der Integration beschrieben
  • Ich habe gezeigt, dass die Bevölkerung der aufnehmenden Gesellschaft die gleichen Fasen der interkulturellen Sensibilisierung durchlebt, wie es die MMM gemacht haben.
  • Ich habe IKEA als Form der Integration vorgestellt, neuen Ansatz in der IKEA beschrieben und grundlegende Prinzipien der Erfolgreichen IKEA formuliert.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit

Quellen:
1. M.Altan, A.Foitzik, J.Goltz "Eine Frage der Haltung" 2. www.transkulturelles-portal.com